Vorlesung
Das Buch und sein Haus

Vorlesung
Dozierende: Dr. Gregory Grämiger
 


Bibliotheken seien so alt wie das geschriebene Wort, erklärte der flämische Humanist Justus Lipsius. Denn sobald die flüchtige Rede durch Schrift gespeichert würde, entstünde im Keim eine Bibliothek. Das Wort "bibliotheca", so Lipsius weiter, bezeichne deswegen nicht nur das Gebäude, sondern auch die Büchersammlung selbst, zudem das Mobiliar. Die Bauaufgabe ist somit seit jeher eng mit den darin verwahrten Medien verknüpft. Bauten für Bücher bewahren nicht nur das geschrieben Wort für zukünftige Leser, sondern machen es auch zugänglich und überführen es in eine nachvollziehbare Ordnung. Wie Bücher im Raum gelagert wurden, änderte sich im Laufe der Geschichte jedoch fortwährend, wobei die gewählte Ordnung immer aufzeigte, welche Vorstellungen von Wissen in einer Gesellschaft und Zeit verbindlich waren. Die Zugänglichkeit zu Büchersammlungen widerspiegelt stets gesellschaftliche und politische Kontexte. Das gleichzeitige Verwahren, Ordnen, Überwachen und Lesen von Büchern führte zu widersprüchlichen Aufgaben, die es im Raum zu lösen gilt.
Die Vorlesung möchte die Geschichte des Bautypus Bibliothek von der Renaissance bis heute aufzeigen und sie in ihrem jeweiligen gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskurs einbetten. Da Bibliotheken eng mit dem Medium des Buchs verbunden sind, soll dessen Geschichte ebenfalls besprochen werden, denn oftmals stand das Buch und sein Haus in Konkurrenz zu anderen Bauten und Exponaten, beispielsweise zu Bildersammlungen, botanischen Gärten oder gegenwärtig zu digitalen Datenträgern, die ein Ende der Bibliothek heraufbeschwören.

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Dr. Gregory Grämiger