Vorlesung
Bauten für Bücher. Bibliotheken von der Antike bis heute

Vorlesung
Dozierende: Dr. Lothar Schmitt, Gregory Grämiger
Zeit: Fr., 08.00–09.00 Uhr
Ort: HIL E 1
 

Dort, wo Bücher in grosser Zahl zusammenkommen, prägen sie den Raum, der sie umgibt. Praktische Fragen der Aufbewahrung und Ordnung bestimmten von jeher den architektonischen Umgang mit Büchern. Je stärker die Bestände wuchsen, desto dringlicher stellte sich die Frage nach einer effizienten Lagerung und Nutzung. Die Entwicklung von der Pult-, über die Wand- bis zur Magazinbibliothek ist ein Zeichen für virulente Interessenskonflikte, wenn es darum ging, Bücher kompakt und dennoch zugänglich aufzustellen.
Aber von Texten selbst geht eine aktive Wirkung aus, die ihren Stellenwert in der Gesellschaft manifestiert. Sie drängen danach, publiziert zu werden. Der Begriff Publikation macht diesen Prozess anschaulich, bei dem Bücher nicht ohne Leser zu denken sind. Der öffentlichkeitswirksame, durchaus auch politisch relevante Dialog zwischen Büchern und Lesern bestimmt in der historischen Entwicklung, insbesondere seit der frühen Neuzeit, wechselnde Vorstellungen von der Bibliothek als Bauaufgabe. Sie reagiert darauf, wer mit welchen Intentionen liest, wem der Zugang zu Büchern gewährt und wem er verweigert wird.
Deshalb sind es architektonische ebenso wie funktionale und soziale Faktoren, die den Bau von Bibliotheken bestimmen. In der Art, wie sie entworfen werden, spiegeln sich wie in kaum einem anderen Bereich gravierende Wandlungen im Denken über den Wert des Wissens für die Gemeinschaft.

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PD Dr. Lothar Schmitt
Dr. Gregory Grämiger